Argumente

Folgenden Text könnt ihr als vierseitiges Flugblatt im PDF Format herunterladen und ausdrucken. Ihr könnt dieses Flugblatt auch bei den Treffen erhalten, um es an eurer Schule und an eure Freunde zu verteilen.

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Um was geht es? Wie soll der Streik aussehen? Dürfen Schüler streiken?

Unsere Lernsituation wird immer schlechter und gleichzeitig nehmen Stress und Prüfungsdruck zu. Durch Lehrermangel werden die Klassen immer größer, auf den einzelnen Schüler kann nicht mehr eingegangen werden. An den Gymnasien führt das G8 dazu, dass selbst junge Schüler eine 40 Stunden Woche haben. Bei den Vergleichsarbeiten muss der Stoff von zwei Jahren wiedergegeben werden und SchülerInnen, LehrerInnen und Schulen werden in Konkurrenz zueinander gebracht. Schüler an Real- und vor allem Hauptschulen sehen sich dem Problem gegenüber, dass sie nach dem Abschluss fast keine Chance haben einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Bildung für alle – gegen soziale Auslese!

Alle wissen es, gute Bildung hängt immer mehr vom Geldbeutel der Eltern ab. Laut der Pisa- Studie von 2006 haben Kinder aus höheren sozialen Schichten eine 2,7 mal höhere Chance eine Gymnasium zu besuchen, als Kinder aus Facharbeiterfamilien. Kinder mit Migrationshintergrund haben besonders schlechte Karten. Die angebliche Lernmittelfreiheit ist in der Praxis nicht gegeben. Oft müssen Bücher selbst gekauft werden, durch den straffen Stoffplan brauchen viele SchülerInnen teuren Nachhilfeunterricht, aber leisten kann ihn sich nicht jeder. Dafür steigt der Einfluss von Unternehmen auf unsere Lerninhalte durch Sponsoring und Werbung an den Schulen.

Es reicht. Wir fordern:

  • Statt Milliarden für die Banken – Kostenlose Bildung für Alle
  • Maximal 20 SchülerInnen pro Klasse – dafür brauchen wir ab sofort mindestens 100.000 mehr LehrerInnen bundesweit. Nur so kann auf individuelle Bedürfnisse der SchülerInnen eingegangen werden.
  • demokratische Kontrolle der Schulen durch Schüler, Lehrer und Eltern. Keine Einflussnahme und Sponsoring durch die Kapitalisten!
  • Streikrecht für Schüler sowie freie demokratische Organisation der Schüler zum Kampf für ihre Interessen!
  • Weg mit dem dreigliedrigen Schulsystem
  • Nein zum Super-Stress: Schluss mit Turbo-Abi und Vergleichsarbeiten
  • Für jeden Schulabgänger einen Ausbildungsplatz
  • Abschaffung der Studiengebühren
  • mehr Demokratie an Schulen

Kommt vorbei um mit uns über diese Forderungen zu diskutieren!

Aber woher soll das Geld denn kommen?

  • Während angeblich kein Geld für Bildung da ist, scheint es für den Staat kein Problem zu sein Milliardenbeträge für in Schwierigkeiten geratene Banken auf zu treiben. Wenn im Aufschwung die Rekordprofite in den Taschen einiger weniger Unternehmen verschwinden, sind wir nicht bereit mit schlechter Bildung für die Krise zu zahlen.
  • Auch für das Prestigeobjekt Stuttgart 21 stellen das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart gemeinsam 5 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei stößt das Projekt bei der Mehrheit der Bevölkerung auf Ablehnung!
  • Laut Berechnungen des DGB sind 30 Milliarden Euro sofort nötig um den Problemen im Bildungsbereich Abhilfe zu schaffen. Das entspricht in etwa dem Rüstungshaushalt der BRD.
  • Geld für Bildung statt für Rüstung und Kriege!

Es geht also nicht darum ob das Geld vorhanden ist, sondern in wessen Interesse das Geld eingesetzt wird.

Bildung und Kapitalismus

Beim Kampf um ein besseres Bildungssystem müssen wir berücksichtigen, dass der Bildungsbereich den Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftssystems, in dem wir leben, unterliegt. Der Kapitalismus basiert auf Konkurrenz und Profitstreben. Die Bildung wird nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit ausgerichtet.

Wir aber wollen dass die menschlichen Bedürfnisse zählen. Wir wollen für das Leben lernen. Wir wollen breite Allgemeinbildung. Wir wollen nicht zu Fachidioten ausgebildet werden und für den Arbeitsmarkt “präpariert” werden. Statt nach den Bedürfnissen des Marktes, gehen wir von unseren eigenen Bedürfnissen aus.

Das heutige Bildungssystem basiert auf Notendruck und Prüfungsstress. Wir wollen nicht in “Lernfabriken” lernen, sondern uns auch in der Schulzeit, in der wir einen großen Teil unserer Zeit verbringen, selber verwirklichen. Dafür ist ein grundlegend anderes Bildungssystem im Rahmen einer Gesellschaft notwendig, in der sich die Wirtschaft an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht umgekehrt.

Warum ein Schülerstreik?

Seit Beginn des Schuljahrs organisiert das Stuttgarter SchülerAktionsKomitee zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. Diese finden alle Nachmittags, also in unserer Freizeit statt. Mit dem Streik am 12. November wollen wir den Druck erhöhen. Bereits im Frühjahr haben 40.000 SchülerInnen in verschiedenen Städten gestreikt. Daraufhin rief Bundeskanzlerin Merkel die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus und begann eine medienwirksame Bildungsreise durch Deutschland. Doch nette Worte helfen uns nicht. Mit einem bundesweiten Streik wollen wir den Druck auf die Bundesregierung und die Landesregierungen erhöhen und unsere Forderungen durchsetzen.

Dürfen SchülerInnen überhaupt streiken?

SchülerInnen haben kein gesetzliches Streikrecht. Aber niemand hat das Streikrecht geschenkt bekommen. Auch Beschäftigte haben sich das Streikrecht erkämpft, in dem sie gestreikt haben. Immer wieder beklagen Medien und Schulen dass die Jugend unpolitisch sein. In dem wir unser Recht auf freie Meinungsäußerung nutzen zeigen wir dass wir uns durchaus für unsere Zukunft interessieren.

Was ist wenn uns mit Strafen gedroht wird?

Uns ist wichtig, im Vorfeld des Streiks Eltern und LehrerInnen anzusprechen. Denn auch die sind wütend. Im Frühjahr demonstrierten bereits 5.000 Eltern in Stuttgart unter dem Motto „Schule mit Zukunft“. Die angestellten LehrerInnen befinden sich in der Tarifrunde und setzen sich darin ebenfalls für bessere Arbeitsbedingungen ein. In Berlin streikten Lehrer Anfang Oktober sogar. Die Lehrergewerkschaft GEW hat einen Brief des SchülerAktionsKomitees an ihre Mitglieder verschickt in dem wir die LehrerInnen bitten sich solidarisch mit unserem Streik zu zeigen.

Außerdem gilt, um so mehr sich an einem Streik beteiligen um so niedriger wird etwa die Gefahr nachsitzen zu müssen. Wer lässt schon eine ganze Schule nachsitzen? Sollte es trotzdem zu Sanktionen an einzelnen Schulen kommen ist wichtig dass ihr dem SchülerAktionsKomitee Bescheid gebt. Dann können wir Solidarität organisieren und diese Fälle öffentlich machen.

Übrigens: Auch in Stuttgart hat es immer wieder Schülerstreiks gegeben. 1996 streikten 6.000 SchülerInnen für die Einstellung von 3.000 LehrerInnen im Jahr und gegen den Irakkrieg 2003 fanden sogar zwei Schülerstreiks in Stuttgart statt!

„Die wollen doch nur schwänzen” oder „wie läuft so ein Streik eigentlich ab?”

Am Streiktag werden wir in der Innenstadt eine Kundgebung und Demonstration aller Schulen anmelden. Am Besten ist es, ihr geht morgens gar nicht erst in die Schule rein und versammelt euch vor dem Tor. Dazu ist es gut, wenn ihr ein Transparent vorbereitet mit dem man auffällt, eventuell sogar ein Megaphon mitnehmt. Ihr könnt die anderen Schüler von dem Streik informieren und auffordern mit zu kommen. Entweder ihr geht dann direkt zum Kundgebungsort oder ihr holt noch andere Schulen in eurer Umgebung ab. Dort könnt ihr von außen Sprüche rufen und die Schüler auffordern mitzukommen und durch die einzelnen Klassenzimmer laufen. Wenn ihr Hilfe braucht, z.B. ein Megaphon oder wissen wollt ob euch eine Schule in der Nähe unterstützen kann meldet euch bei uns.

Auf dem Streik wird es eine Kundgebung geben bei der SchülerInnen Reden halten und Grußworte von Eltern und Lehrern. Wer streikt setzt sich aktiv für seine Belange ein und holt sich dabei zusätzliche Informationen. Das ist kein Schwänzen!

Schülerstreik und dann?

Der 12. November kann nur der Auftakt sein. Wir wollen nicht nur einmal unserem Unmut Luft machen, sondern wirklich etwas erreichen. Deshalb könnte ein erfolgreicher, bundesweiter Streik der Beginn einer richtigen Schülerbewegung sein. Warum sollten wir dann nicht Anfang 2009 den Streik fortführen und ausweiten? Vor allem wollen wir aber auch an andere von Bildungs- und Sozialabbau Betroffene einen Appell richten sich mit uns gemeinsam zu wehren. Wir brauchen den Schulterschluss mit StudentInnen, Beschäftigten und LehrerInnen. Wir schlagen deshalb der LehrerInnengewerkschaft GEW und anderen Gewerkschaften die Beschäftigte an Schulen organisieren vor eine gemeinsame Demonstration unter dem Motto „Bildung, Ausbildung und Arbeit für Alle“ zu organisieren.

Was kann ich machen damit der Schülerstreik an meiner Schule ein Erfolg wird?

Nimm Kontakt zum SchülerAktionsKomitee auf. Dort kannst du dich mit anderen SchülerInnen austauschen und den Streik mit planen. An deiner Schule ist es gut wenn du ein paar andere Schüler findest die auch Lust haben mit zu helfen. Ihr könnt dann einen Aushang machen oder Zettel verteilen auf denen ihr eure Mitschüler zu einem Info-Treffen an der Schule einladet. Dazu könnt ihr gerne auch jemanden von uns einladen. Außerdem könnt ihr eure SMV ansprechen, einen Artikel für die Schülerzeitung schreiben und eventuell sogar eine Vollversammlung aller SchülerInnen organisieren. Auch kleinere Aktionen in der Pause sind gut um Mitschüler zu informieren. An einem Gymnasium in Stuttgart hängen SchülerInnen zum Beispiel jede Woche ein anderes Transparent im Eingangsbereich auf.

Was ist das Schüleraktionskomitee ?

SchülerInnen verschiedener Stuttgarter Schulen haben sich zum SchülerAktionsKomitee Stuttgart zusammengeschlossen um die Proteste gegen die Missstände im Bildungsbereich auch in Stuttgart zu organisieren. Wir sind unabhängig uns freuen uns über SchülerInnen aller Schularten die mit uns diskutieren oder sich an der Protesten beteiligen wollen.

Treffen des SAK Stuttgart

Wir treffen uns jeden Mittwoch um 18.00 im Jugendhaus Mitte (Haltestelle Berliner Platz Hohe Straße). Kommt vorbei, um uns zu unterstützen! Redet mit, macht mit!